Öffentliche Arbeitswoche Sommer 2018

19.-26. August 2018 

Öffentliche Arbeitswoche des Internationalen Kulturzentrums Achberg (INKA) im Sommer 2018 – direkt im Anschluss an dem Achberger Sommer Camp 2018

Ein gemeinsames Verständnis für Aktivitäten ab Herbst 2018 und im Jahr 2019 gewinnen

Veranstaltungsort:
Humboldt-Haus
Panoramastraße 30
88147 Achberg
www.humboldt-haus.de 

Anmeldung und Informationen:
info@humboldt-haus.de
Tel: 08380-335

Kosten inklusive Tagungsgebühr und Vollpension pro Tag bzw. Übernachtung:

Einzelzimmer: € 60.- 
(Übernachtung 26 €, Vollpension 24 €, Seminar-/Tagungsgebühr 10 €)

Doppelzimmer: € 50.- 
(Übernachtung 16 €, Vollpension 24 €, Seminar-/Tagungsgebühr 10 €) 

Mehrbettenraum: € 40.- 
(Unterkunft 6 €, Vollpension 24 €, Tagungsgebühr 10 €)

Zelt: € 37.- 
(Unterkunft 3 €, 
Vollpension 24 €, Tagungsgebühr 10 €)

Nur Verpflegung (3 Mahlzeiten) ohne Übernachtung: € 34.-  
(Verpflegung/3 Mahlzeiten 24 €, Tagungsgebühr 10 €)

Bei Buchung ohne Unterkunft oder Verpflegung nur Tagungsgebühr: € 10.-


Die Teilnehmer werden die bisher in Tagungen und Arbeitstreffen schon seit Jahrzehnten geleistete sozialwissenschaftliche und –gestalterische Arbeit des Instituts im INKA fortführen. Wir versuchen, bei diesem Treffen ein gemeinsames Verständnis für solche Aktivitäten ab Herbst 2018 und im Jahr 2019 zu gewinnen, die durch die Zeitforderungen notwendig werden. 

Dieses gemeinsame Verständnis wollen wir auch in Hinblick auf die verschiedenen Gedenkveranstaltungen zum 100-jährigen Jubiläum der seit 1919 in die Öffentlichkeit getretenen Aktivitäten der Dreigliederungsbewegung herausbilden.

Gut wäre es dann, dass möglichst viele, die sich an der Achberger Arbeit beteiligen, in die Gespräche bei diesen Veranstaltungen einbringen.

Kulturschaffende haben uns im bisherigen Verlauf dieses Jahr über die Medien an den 200. Geburtstag von Karl Marx und an die Folgen seines Wirkens zur Neugestaltung des gesellschaftlichen Lebens erinnert. Diese zeigten sich u.a. auch in der Bewegung, die mit der Chiffre „1968“ gekennzeichnet wurde. Auch an deren 50. Jubiläum erinnerten die Medien.

So wie die Aufmerksamkeit der am öffentlichen Leben interessierten Menschen und Institutionen von einigen Leit-Medien im ersten Halbjahr 2018 auf diese Ereignisse der Erinnerungskultur gelenkt wurden, wird sie ab Herbst 2018 auf andere Ereignisse der Geschichte, die zur Entwicklung des gesellschaftlichen Lebens beigetragen haben, gelenkt werden.

Wir – insofern wir uns als wache Zeitgenossen für die politisch-kulturellen Ereignisse interessieren - werden auf das Ende des 1. Weltkriegs vor 100 Jahren, die Friedensverhandlungen und deren Folgen aufmerksam gemacht werden. Ebenso auf die revolutionäre Situation in Deutschland, die vor 100 Jahren entstanden war, nachdem am 9. November 1918 die Republik ausgerufen und damit die Monarchie im Deutschen Reich beendet wurde. Es begann der Kampf um die kulturelle, politische und ökonomische Ausrichtung der Gesellschaftsgestalt in Deutschland und dessen Stellung in der Weltgesellschaft, die seit 1917 begann, sich in zwei feindlich gesinnte Blöcke zu spalten.

In diesem Umfeld des gesellschaftlichen Geschehens, begann Rudolf Steiner im November 1918 in anthroposophischen Zusammenkünften über die funktionale Gliederung des Gesellschaftsganzen Vorträge zu halten. Sie führten dann Anfang 1919 zum öffentlichen Wirken für die Neugestaltung des gesellschaftlichen Lebens aus dem Geist der Anthroposophie. 

Mit dem „Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus“ stellte sich diese Geistesrichtung damit zwischen die beiden einseitigen, deshalb sich bekämpfenden Hauptbestrebungen zur gesellschaftlichen Neuordnung. 

Die starken gesellschaftspolitischen Kräfte mit den entgegenstehenden Geisteshaltungen waren: 

  • einerseits diejenigen, die – entweder mehr national-konservativ oder liberal und progressiv gesinnt - eine im Westen schon etablierte Gesellschaftsform anstrebten, in der ein demokratischer Parlamentarismus eine ökonomisch geprägte Herrschaft legitimiert, die durch privates Eigentum an Finanz- und Produktions-Kapital ausgeübt werden sollte, 
  • andererseits diejenigen, die nach dem Vorbild der leninistischen Ideologie die Diktatur einer (kommunistisch genannten) Partei über eine staatssozialistische Zentralverwaltungsökonomie errichten wollten, so wie es sich bereits 1917 in Russland ereignet hatte.

Als Rudolf Steiner sich mit wenigen Mitstreitern mutig diesen starken, widerstreitenden Kräften entgegenstellte, um im Sinne der „Königlichen Kunst“ sozialgestaltend wirksam zu werden, musste ihm bewusst gewesen sein, dass die Idee der sozialen Dreigliederung nicht sofort in dieser akuten revolutionären Situation als eine bewusst funktional ausdifferenzierte soziale Struktur verwirklicht werden kann. Diese Idee konnte bei ihrem ersten Erscheinen im damals aktuellen sozialen Gestaltungsprozess nicht genügend Akzeptanz finden bei den daran beteiligten Menschen, da sie im kommunikativen Geschehen nur von wenigen aktiven Kräften vertreten werden konnte. 

Dennoch war ihm - aus seinem Verständnis von der Gesetzmäßigkeit der „Umlaufzeit geschichtlicher Ereignisse“ – klar, dass diese Idee in einer (wenn zunächst auch kleinen) sozialen Bewegung als geschichtliches Ereignis in Erscheinung treten muss, damit sie nach 33 Jahren eine erste „Auferstehungszeit“ haben kann. Diese zeigte sich dann, nachdem der Absturz in den Abgrund beendet worden war, ab 1949 mit der Verabschiedung des Grundgesetzes. Besonders mit dem darin enthaltenen Artikel 20.2, der für die Achberger Arbeit eine herausragende Bedeutung in der 2. „Auferstehungszeit“ ab 1982 bekam.

Wie die Idee der funktionalen Gliederung des Gesellschaftsorganismus sich seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts in Kommunikationen der anthroposophischen Bewegung, in der Kunst und in der akademischen Sozialwissenschaft, die sich seit dem Anfang des 20. Jh. herausgebildet hatte, in verschiedenen theoretischen Ansätzen (ausgehend von Talcott Parsons besonders bei Niklas Luhmann und Jürgen Habermas) entwickelt hat, wird in dem unten kurz beschriebenen „Seminar über sozialwissenschaftliche Grundlagen“ einführend bearbeitet.

Im 21. Jh. sollten wir stärker das Interesse für die Gedanken der anderen, die sich mit den gleichen sozialen Fragen und Problemen befassen, entwickeln. Rudolf Steiner nennt das, unter einem bestimmten Aspekt gesehen, den „Gedankenweg zu Christus“. In diesem Sinne wollen wir während des Seminars üben, diesen Weg zu gehen.

Verantwortlich für dieses INKA-Arbeitstreffen ist Herbert Schliffka

Seminar über sozialwissenschaftliche Grundlagen (während der INKA-Arbeitswoche)

Eine Einführung in verschiedene Beschreibungen von Gesellschaft:

Rudolf Steiners Darstellungen der Idee der „Dreigliederung des sozialen Organismus“ werden betrachtet im Verhältnis zur Elementarlehre von Wilhelm Schmundt und zu den theoretischen Beschreibungen der Gesellschaft in der akademisch gepflegten Sozialwissenschaft, wie sie uns gegeben sind besonders in den Werken von Jürgen Habermas, von Talcott Parsons und Niklas Luhmann. Die beiden letztgenannten beschreiben sie als ein funktional differenziertes soziales System. Karl Polanyi beschreibt ihre große Transformation. Joseph Beuys bearbeitet sie mit Mitteln der Kunst, denn er begreift sie im Sinne des „Erweiterten Kunstbegriffs“ als „Soziale Skulptur“.

Das Seminar dient dazu, ein Kolloquiums-Gespräch mit Menschen vorzubereiten, die entweder mit den anthroposophisch geprägten Vorstellungen vom Gesellschaftsganzen und/oder einem akademischen Theorieansatz oder mit dem künstlerischen Wirken aus dem erweiterten Kunstbegriff vertraut sind. Vielleicht kann es dann im nächsten Jahr stattfinden. Fachkundige wie André Bleicher, Christoph Strawe, Daniel Schily, Gerald Häfner, Johannes Stüttgen u.a. werden dann als Teilnehmer dazu eingeladen werden. 

Geleitet wird das Seminar von Herbert Schliffka

 

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